Es ist kurz nach Mitternacht und ich bin eben in meiner Unterkunft angekommen. Der Abend war total schön, aber dazu später mehr. Erst möchte ich noch etwas zum ersten Panel schreiben.
Ich habe von 14:30 bis 16:00 Uhr am Panel „Community support“ teilgenommen, in dem drei Vorträge angesiedelt waren. Der erste Vortrag mit dem Titel „The Role of Libraries in Lifelong Learning: the Case of Public Libraries in Istria“ wurde von einer kroatischen Bibliothekarin gehalten. Hier ging es um verschiedene öffentliche Bibliotheken in Kroatien und deren Programme zum lebenslangen Lernen. Das war ein interessanter Vortrag, aber nicht so ganz mein Interessengebiet.
Der zweite Vortrag wurde schon sehr viel interessanter, einfach weil er thematisch meinem Vortrag sehr nahe ist. Zwei Studenten, ebenfalls aus Kroatien, haben ihre Studie „LIS Students’ reading habits analysis: Croatia, Slovenia and Austria“ vorgestellt. Hier wurden 41 Studenten und einige Professoren von 4 verschiedenen Universitäten (Zadar, Osijek, Lubiljana und ??) zum Thema Leseverhalten befragt. Es ging darum, ob Studenten ein richtiges Leseverhalten haben, ob sie in ihrer Freizeit lesen, ob sie denken, dass viel Lesen ihren Erfolg im Leben beeinflusst und so weiter. Ich denke, die Durchführenden haben sehr interessante Fragen aufgeworfen. Leider war die Darstellung zu unkonkret. Das heißt, meist wurde nur gesagt, „die Studenten aus Österreich und aus Zadar haben das gesagt und die anderen das Gegenteil“. Ich denke, das Thema wird noch spannender, wenn die Studenten ein Paper mit den genauen Zahlen veröffentlichen – hoffentlich noch in den Proceedings. Sollte das geschehen, kann man diese Zahlen eventuell irgendwie mit den Ergebnissen unserer Studie in Verbindung bringen. Wie, das weiß ich noch nicht, aber das kommt ja drauf an, wie genau die Ergebnisse von den kroatischen Studenten aufgeschlüsselt werden.
Der dritte Vortrag war der spannendste. Leider konnten die ursprünglichen Vortragenden nicht anwesend sein (ein verpasster Anschlussflug der einen Vortragenden und der zweite Vortragende war, aus welchen Gründen auch immer, in Afrika), so dass jemand den Vortrag gehalten hat, der das Paper zwar gelesen, aber ansonsten von der Thematik keine Ahnung hatte. Der Titel lautete „How and Why Public Libraries Can, Should, and Do Facilitate the Use of the Internet by the Homeless: a Look at the Programs, barriers and Political Climate“. Hier ging es um Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben, aber aus verschiedenen Gründen öffentliche Bibliotheken benutzten wollten. Es ging um Grenzen; dass es in einigen Bibliotheken in den USA eine „Odor and Bathing Policy“ gibt, oder dass Menschen einen festen Wohnsitz angeben müssen, um Nutzer einer öffentlichen Bibliothek zu werden, dass sie ihr Hab und Gut (die bekannten Wägen) nicht mit in die Einrichtung nehmen dürfen, teilweise sind auch die Kosten für Obdachlose ein Stein auf dem Weg zu freier Information. Dabei ist diese Information für solche Menschen wichtig. Obdachlose untereinander vernetzen sich, um in Umlauf zu bringen, wo es kostenlos Essen gibt, welche Notunterkunft noch freie Plätze hat, und auch um freie Jobangebote zu finden. Aber auch weniger lebenswichtige Themen spielen eine große Rolle. Der Vortragende nannte zum Beispiel Online Dating als recht großes Feld. Alles in allem ein wahnsinnig spannender Vortrag, der noch dazu untermalt war mit Bildern von Obdachlosen, denen man zum Teil nicht angesehen hat, dass sie kein Dach über dem Kopf haben.
Nach diesem Panel gab es eine kurze Kaffeepause, in der total leckere kleine Törtchen serviert wurden. Yammi!
Der letztes Tagespunkt war ein Workshop eines Kommilitonen: „Bridging the Gap – Involving New Professionals in the International Development of our Profession in the Digital World“ Wir erhielten einen kleinen Einblick in die IFLA, insbesondere in die New Professional Special Interest Group und wurden mit aktuellen Fragen zu new professionals konfrontiert. Nach dem kurzen Vortrag mussten wir leider schon gehen, da ich ja auf meine Gastgeber angewiesen bin.
Am Abend ging es dann noch einmal in die Stadt, um sich beim Social Dinner näher kennen zu lernen. Wir waren in das Restaurant „Trattoria I Corrieri“ eingeladen. Der komplette Laden war nur für uns reserviert. Es gab ein großes Buffet mit mindestens 5 verschiedenen Sorten von Schinken und Salami. Dazu gab es ganz leckere aufgefluffte Brötchen. Nachdem alle das Buffet gestürmt hatten, ging es dann langsam ans Reden. Ich saß mit Stuttgartern, Berlinern und einem Bulgaren an einem Tisch und wir haben tatsächlich über Gott und die Welt gesprochen. Der Wein floß in Strömen und auf einmal wurde auch das Buffet neu eingedeckt. 6 verschiedene Pasta- und Risottogericht. Ein Gedicht!! Wir waren alle kugelrund und pappsatt … bis das Dessert hereingebracht wurde. Eine kleine Auswahl von total leckeren Kuchen. Wahnsinnig lecker! Der ganze Abend sollte bis 22 Uhr gehen. 23 Uhr sassen die Berliner, die Potsdamer und der eine Bulgare als einzige noch in dem Saal und quatschten und tranken und lachten. Aber gegen 23 Uhr haben auch wir uns auf die Socken gemacht. Eigentlich wollten wir sportlich, wie wir manchmal so sind, die paar Kilometer mit dem eigens gemieteten Rad fahren, aber leider stehen die Räder auf dem Unigelände, dass nachts scheinbar verschlossen wird. Also sind wir zurück zum Restaurant, wo uns ein netter Potsdamer, der sehr gut italienisch spricht, den Bus gerufen hat. Tjaja, die Busse fahren hier nur bis 20 Uhr und danach muss man anrufen und sagen, wo man ist und wo man hin will. Dieses „sagen, wo man ist und hin will“ ist aber gar nicht so einfach, da hier so gut wie niemand englisch spricht! Jedenfalls fährt der Bus abenteuerliche Routen, die auf keiner Touristenkarte verzeichnet sind, aber er schmeißt ein genau da raus, wo man hin muss. In meinem Fall war das an der Ecke, von welcher ich nur noch 30m laufen musste. Genial!
Das war mein erster Konferenztag. Morgen früh um 9 Uhr geht es weiter mit Panel 2 „Education of the 21st Century Professionals“. Bin gespannt, was da so los sein wird.